Richtig Lernen für die Prüfung – Teil 4

von Barbara Klostermann, 1. September 2009,

Computergestützte und manuelle Lernhilfen

Nachdem im ersten Teil der Serie das richtige Lernumfeld beleuchetet wurde (Heft 4/2008), sich der zweite Teil mit Zeitmanagement und Zielsetzung beschäftigte (Heft 1/2009) und es im dritten Teil um effektives Lernen und verschieden Merktechniken ging (Heft 2/2009), widmet sich der vierte und letzte Teil computergestützten und manuellen Lern- und Arbeitshilfen.

Das gute alte Karteikartensystem

Beim Karteikartensystem wird der zu erlernende Stoff zunächst auf Karteikarten geschrieben – auf die Vorderseite eine Frage oder ein Stichwort, auf die Rückseite die Antwort bzw. der zu erlernende Inhalt.

Wichtig ist hier, dass dies in kleinen Themeneinheiten geschieht und keine textüberladenen Karten dabei produziert werden. Diese Karteikarten werden dann in einer Box mit mehreren Fächern abgelegt (die Anzahl der Fächer sollte jeder individuell seinen Wiederholungsrhythmen anpassen). Zunächst kommen die Karten in Fach 1. Karteikarten, die beim Sich-Selbst-Abfragen oder Abfragenlassen beherrscht werden, werden in Fach 2 abgelegt. Die noch nicht oder eher schlecht beherrschten Karten verbleiben im ersten Fach. Karten aus dem ersten Fach werden täglich wiederholt, die aus Fach 2 jeden zweiten Tag usw. Dadurch ist gewährleistet, dass problematischer Stoff immer wieder aufs Neue wiederholt und verinnerlicht wird, bis er „sitzt”. Gleichzeitig findet eine Entlastung statt, indem beherrschter Stoff abgelegt und nur noch gelegentlich zur Auffrischung („Der Kampf gegen das Vergessen”) herangezogen wird. Der stetig wachsende Stapel der verinnerlichten Karten schafft zusätzlich eine Motivation, weil man sieht, was man schon alles geschafft hat.

Das Karteikartensystem hat aber noch mehr Vorteile. Dadurch, dass der Platz auf einer Karte begrenzt ist, muss sich der Lernende bei der Erstellung schon Gedanken darüber machen, wie er die Materie auf das Wesentliche herunterbricht. Dies wirkt sich durchaus positiv auf den Lernerfolg aus. Praktisch ist auch, dass Karteikarten gut zu transportieren sind und sich hervorragend dazu eignen, unterwegs oder zwischendurch zu lernen oder sein Wissen aufzufrischen.

Kommerziell oder selbst erstellt?

Für viele Fächer kann man im Buchhandel auch kommerzielle Karteikarten erwerben. Schon fertig erstellte Karten bringen natürlich eine enorme Zeitersparnis mit sich. Jedoch sollte der Lernende dabei bedenken, dass kommerzielle Karten zum einen nicht auf seine individuellen Lernvorlieben und -stärken zugeschnitten sind – schonmal versucht eine verpasste Vorlesung allein mit der Mitschrift eines Kommilitonen aufzuarbeiten? Zum anderen sollte nicht unterschätzt werden, wieviel Stoff schon im Kopf verankert wird, wenn man seine Karteikarteninhalte selbst erarbeitet und niederschreibt.

Manuell oder am Computer?

Manuell erstellte Karteikarten haben den Vorteil, dass der niedergeschriebene Stoff im wörtlichen Sinne nochmal richtig durch die Hand gegangen ist. Viele Menschen haben das, was sie handschriftlich geschrieben haben, gleich zu großen Teilen im Kopf.

Aber auch die Computervariante bietet ihre Vorteile. Gespeicherte Karteikarten können problemlos geändert, ergänzt oder umgearbeitet werden. Auch verlegte oder beschädigte Karten, etwa wenn der Kaffee doch mal wieder falsche Wege über den Schreibtisch eingeschlagen hat, können problemlos ersetzt werden.

Wer fleißiger Laptop-Nutzer ist, hat außerdem den Vorteil, dass er sein komplettes Archiv immer portabel hat. Außerdem können Karteikartendateien auch innerhalb einer Lerngruppe ausgetauscht werden.

Für die Computervariante kann ich das Programm bcards nur wärmstens empfehlen. Bcards gibt es als Shareware-Version (dann ist ein Copyright-Hinweis auf der Karte), aber auch für nur 10,- € als uneingeschränkte Vollversion (ohne Copyright-Hinweis, dafür mit Kopfzeile zum Selbstgestalten). Neben einer automatischen Abfragefunktion, können die Karten auch doppelseitig gedruckt werden – ohne Verschiebungen und sonstige layouttechnische Katastrophen. Auch eine Integration von Grafiken ist problemlos möglich. Das Programm ist erhältlich unter: http://www.birdigee.de/b-cards.shtml

Mindmaps

Gerade für Menschen, die gut durch Visualisierungen lernen, bietet sich das Erstellen von Mindmaps und Übersichten an.

Auch hier gibt es Unterstützung durch ein tolles Programm: InfoRapid KnowledgeMap. Die letzte Freewareversion 2006d (Einschränkung ist ein Hinweis des Herstellers im Bildhintergrund) kann hier heruntergeladen werden: http://www.inforapid.de/html/kmladen.htm

Mit InfoRapid KnowledgeMap lassen sich nach kurzer Einarbeitung kinderleicht Mindmaps und Organigramme erstellen mit einer schier unendlichen Farben- und Formenvielfalt. Diese können in vielen Dateiformaten gespeichert werden und auch problemlos in die gängigen Textverarbeitungsprogramme eingefügt werden.

Struktur im Dateien- und Notizenchaos

Im Verlauf des Studiums und gerade bei Hausarbeiten sammeln sich meist Unmengen an Dateien und Notizzetteln an. Zum einen kann man dem Chaos auf dem Rechner durch sinnvolle Ordnerstrukturen und Dateinamen begegnen. Wer jedoch einen wirklich organisierten Überblick schaffen möchte, dem sei das Programm MemoMaster (auch als kostenlose Kleinversion zu erhalten) ans Herz gelegt. Hierbei handelt es sich um eine Wissensdatenbank zur Ablage und Verwaltung von Informationen und Dateien. Man legt bei MemoMaster eine Memo-Datenbankdatei an, z.B. die Datei „Studium”. Nun hat man die Möglichkeit verschiedene Ordner und innerhalb dieser Ordner sogenannte Memos einzurichten. Richtet man ein Memo ein, erscheint neben dem Strukturbaum am linken Bildrand auf der rechten Seite ein Textfeld, ähnlich einem geöffneten Worddokument. Hier kann man nun seine Notiz(en) einfügen (Texte, Bilder, Tabellen,…), aber auch Dateien von der Festplatte wie bei einer Email anhängen. Eine weitere tolle Funktion ist die Möglichkeit Hyperlinks zu setzen und zwar gerade innerhalb verschiedener Memos. Ausprobieren lohnt sich!

MemoMaster ist hier erhältlich: http://www.jbsoftware.de/memomaster/

Literaturverwaltung mit Citavi

Citavi (http://www.citavi.com) ist eine Software zur Literatur- und Ideenverwaltung. Gerade in Hausarbeitszeiten oder wenn man selbst einen großen Bestand an Fachliteratur sein eigen nennen kann, ermöglicht dieses Programm eine saubere Ablage der Quellen und Werke. Eine Suchfunktion ermöglicht das schnelle Auffinden der gewünschten Textstelle. Als geniales Tool gibt es dazu den so genannten „Citavi Picker”. Mit diesem kann man Grafiken und Texte im Internet, aus Word- und Pdf-Dokumenten, die man zuvor markiert hat ganz einfach mit einem Klick an gewünschter Stelle in sein Citavi-Projekt einfügen. Das ist gerade sehr nützlich, wenn man nur Passagen eines Textes braucht – kein endloses Drucken, kein ewiges copy & past mehr, alles direkt ordentlich am gewünschten Platz archiviert.

Studenten der Uni Passau bekommen die Vollversion sogar kostenlos: http://www.ub.uni-passau.de/citavi.html

Schnelles Arbeiten mit dem Scanstift

Viele Studenten kennen das – man sitzt in der Bib, konsumiert stapelweise Fachliteratur und wenn man benötigte Passagen findet, schreibt man sie brav raus oder man kopiert. Kopieren der ganzen Seite ist dabei oft zuviel des Guten, abschreiben kostet Zeit und manchmal auch Nerven. Diese Zeit kann man sich durch eine einmalige Investition von 100 – 120,- € sparen. Für dieses Geld gibt es nämlich den C-Pen 20 (englische Produktinformation des Herstellers gibt es hier: http://www.cpen.com/artikel.php?aid=75). Der C-Pen sieht aus wie ein Textmarker, lässt sich auch genauso handhaben und wird per USB an den Computer angeschlossen. Wenn man nun am Computer ein herkömmliches Textverarbeitungsprogramm (funktioniert übrigens auch mit dem oben vorgestellten MemoMaster und Citavi) öffnet und mit dem C-Pen die gewünschte Textpassage „markiert”, erscheint der Text im geöffneten Programm und lässt sich so prima auf dem Rechner abspeichern. Wenn man sich etwas an die Handhabung gewöhnt hat, klappt das Scannen der Textzeilen nahezu fehlerfrei.

In diesem Sinne – viel Erfolg beim Studieren!

von Barbara Klostermann

Der Artikel ist erschienen in der 22. Printausgabe (Heft 3, Sept. – Nov. 2009), S. 15-16

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