Richtig Lernen für die Prüfung – Teil 2
Zeitmanagement und Zielsetzung

Richtig Lernen (Bild: Henry Klingenberg / PIXELIO)
Nachdem es im ersten Teil der Serie um das richtige Lernumfeld ging (Heft 4/2008), widmet sich der zweite Teil den wesentlichen Aspekten von Zeitmanagement und Zielsetzung.
Sich Ziele setzen
Basil S. Walsh hat einmal treffend formuliert „Wenn du nicht weißt, wohin du gehst, wie willst Du jemals dort ankommen?”. Es wird häufig unterschätzt, wie wichtig eine präzise Zielsetzung für den Lernerfolg ist. Dabei sollte zwischen einem Hauptziel, Fernzielen und Nahzielen unterschieden werden.
Das Hauptziel des Studenten ist im Regelfall sein späterer Beruf (Bsp.: „Ich habe das Ziel Jurist zu werden”). Ein Fernziel wäre beispielsweise der Abschluss des Studiums („Mein Ziel ist ein Staatsexamen”). Das tägliche Handwerkszeug stellen die Nahziele dar (z.B. das Erlangen der notwendigen Scheine).
Seine Ziele kann man am besten definieren, wenn man vom Großen ins Kleine geht, hier am Beispiel des „Juristen”. Ich möchte Jurist werden (Hauptziel). Um mein Hauptziel zu erreichen, brauche ich zwei Staatsexamina (Fernziele). Um zum Examen zugelassen zu werden, brauche ich diverse Scheine, Praktika,… (Nahziele).
Die Rolle der Psyche: Ziele präzisieren
Um seine Ziele auch zu erreichen, sollten diese so präzise wie möglich und vor allem positiv formuliert sein.
Möchte man „nur” Jurist werden oder vielleicht Richter? Um Richter zu werden, spielt die Note eine Rolle. Um Jurist zu werden, reicht es zu bestehen. Ist das Ziel Wirtschaftsjurist zu werden? Dann sollte die Praktikumszeit besser effektiv in einer Kanzlei mit Wirtschaftsrecht genutzt werden als bei einem Anwalt mit Schwerpunkt Familienrecht. Das Ziel bestimmt immer den Weg.
Wichtig ist auch, dass Ziele positiv formuliert werden. „Ich möchte in der Klausur nicht durchfallen” ist keine Zielformulierung. „Ich möchte die Klausur bestehen.” ist schonmal ein Ziel, allerdings noch ein unpräzises. „Ich möchte die Klausur am Montag mit neun Punkten bestehen” stellt eine konkret formuliertes Ziel dar. Im Rahmen der konkreten Formulierung gilt es jedoch realistisch zu sein. Wer sich das Ziel setzt, einfach nur zu bestehen, bleibt meist auch in diesem Segment – psychisch gesehen ist das Ziel ja mit einem ausreichend erreicht. Wer hingegen plant die volle Punktzahl zu erreichen, baut sich von vornherein im Unterbewusstsein so viel Druck auf, dass das erhoffte Ergebnis im Regelfall ausbleibt. Erfolgreich und häufig positiv überrascht ist in der Regel derjenige, der sich eine solide, durchaus für ihn erreichbare Punktzahl gesetzt hat und sich weder über noch unter Wert handelt.
Zeit optimal nutzen
Zeit ist ein Gut, das einem nur begrenzt zur Verfügung steht. Daher gilt es seine Zeit möglichst effektiv zu verwenden.
Im Alltag und in der gelebten Routine gibt es eine Menge Komponenten, die uns Zeit rauben. Diese gilt es zunächt zu enttarnen. Da jeder Mensch von unterschiedlichen, individuellen Zeiträubern heimgesucht wird, ist es sinnvoll für sich persönlich einmal eine Woche lang Protokoll zu führen, wo die vorhandene Zeit eigentlich bleibt. Im Anschluss sollte das Protokoll dahingehend analysiert werden, ob die Tätigkeiten, die Zeit gekostet haben, zum einen notwendig waren und zum anderen, ob notwendige Tätigkeiten optimiert werden können (Gibt es unnötige Zwischenschritte? Lassen sich Dinge verbinden?).
Nach dieser Analyse sollte dazu übergegangen werden, sich detaillierte Tagespläne zu erstellen, in die die Ziele einfließen und ihr zeitliches Gewand bekommen. Dabei sollte besonders darauf geachtet werden, dass immer ein Zeitfenster für unerwartete Störungen (Pufferzeit) eingeplant, sowie keine Faktoren vergessen werden (etwa Wegezeiten oder Pausen).
Pläne verhelfen gerade dazu, dass ein Weg konsequent verfolgt und weniger Zeit vertrödelt wird. Außerdem wird sichtbar, was man schon alles geschafft hat und das Abhaken erledigter Punkte steigert wieder die Motivation.
von Barbara Klostermann
Die Serie wird in Ausgabe 2/2009 (Juni – August) fortgesetzt – Teil 3: Effektives Lernen und Merktechniken
Der Artikel ist erschienen in der 20. Printausgabe (Heft 1, März – Mai 2009), S. 10







