“Wenn wir schon Geisterbusse haben, brauchen wir nicht noch eine Geisterbahn”
Interview mit Dr. Anton Jungwirth (FDP), 3. Bürgermeister der Stadt Passau, zur Politik der FDP in Passau, der aktuellen Verkehrssituation, der kommenden Landtagswahl und persönlichen Wünschen

Dr. Anton Jungwirth (FDP)
Herr Dr. Jungwirth, Sie sind 3. Bürgermeister der Stadt Passau. Wie klappt die Zusammenarbeit mit Herrn Dupper und Herrn Mangold bisher? Können Sie ein kleines Zwischenfazit ziehen?
Die Zusammenarbeit verläuft sehr angenehm und unkompliziert. Wir sehen uns zwar aufgrund unterschiedlicher Termine relativ selten, dafür klappt die Koordination traumhaft.
Allein die Bürgerbeteiligung sollte wachsen. Die schweigende Mehrheit läuft insbesondere bei Bürgerbeteiligungen Gefahr, dass die aktive Minderheit für sie mitentscheidet.
Für welche Politik steht die FDP in Passau?
Wir sind Kommunalpolitiker. Die Parteizugehörigkeit spielt nur eine untergeordnete Rolle. Generell stehen wir für eine lösungsorientierte Politik. Gerne erarbeiten wir Lösungen tatsächlicher Fragen zusammen mit dem Oberbürgermeister. Die Kommunalpolitik lebt von der Kommunikation der einzelnen Fraktionen und einer tragfähigen Mehrheit. Natürlich sind wir liberal. Das bedeutet, dass wir uns im Zweifel immer für die Freiheit entscheiden. Wir bevorzugen Dialoge mit Betroffenen und sind gegen vorschnelle Verbote. Am Herzen liegen uns vor allem die Kultur- und Meinungsfreiheit, die gerade durch die Universität katalysiert werden.
An der Universität gibt es die LHG. Wie eng ist die Kommunikation zwischen FDP und LHG und inwiefern beeinflusst diese Zusammenarbeit die kommunalpolitische Ausrichtung?
Die LHG und die FDP stehen sich kollegial gegenüber. Wann immer es geht, suchen wir den Dialog. Unser einzigartiger Jour Fix wird auch von einzelnen LHG’lern gerne in Anspruch genommen. Im Rahmen dieses Austausches werden auch studentische Belange besprochen und umgehend bearbeitet.
An unserem Plan eines gemeinsamen Forums zwischen Bürgern und Studenten in Form eines kulturellen und zwischenmenschlichen Miteinanders halten wir fest.
Wie denken Sie kann Passau sein Verkehrsproblem bewältigen?
Ich bin der Ansicht, dass es keine Patentlösung gibt und auch nie eine geben wird. Die topografischen Vorgaben, die den Charme der Stadt ausmachen, sind verkehrstechnisch erschwerend.
Ob eine Donaubrücke gebaut werden soll, weiß ich nicht. Denn eine solche Brücke könnte auch noch mehr Verkehr nach Passau bringen. Fakt ist, dass wir eine weiträumige effektive Umfahrung brauchen.
Auch beim Thema Ringstraße gibt es ein Für und Wider. Ich finde eine probeweise Öffnung eine zweckmäßige Lösung. Wenn die Öffnung dann zum Chaos führt, muss man sie halt wieder zumachen.
Hinsichtlich einer Stadtbahn bin ich dann doch etwas skeptisch. Das ginge nur mit großartigen Subventionen vom Steuerzahler. Wenn wir schon Geisterbusse haben, brauchen wir nicht noch eine Geisterbahn.
Mir schwebt vielmehr eine Fähre zwischen Scheiblingsturm und der Innstadt vor. Dies wäre kein Eingriff in die Natur und eine kosteneffiziente Lösung. Die Fähre würde dann mittels einer Seilkonstruktion fortbewegt werden. Ein Traum wär es, wenn man eine Fähre zwischen der Innstadt, der Ortsspitze und der Ilzstadt hätte.
Was kann die Politik der FDP für den Studenten bewirken?
Uniintern kann man nur wenig machen. Die Studenten sind erwachsene und mündige Leute, die an uns gerne herantreten können. Es ist mein persönlicher Wunsch die Studenten mehr in die kommunale Willensbildung einzubinden.
Wie denken Sie wird die Landtagswahl im September ausgehen?
Ich denke, dass die CSU die absolute Mehrheit entweder knapp hält oder aber knapp verliert. Für uns stehen die Zeichen unterdessen sehr gut. Ich hoffe, dass wir es schaffen in den Landtag zu kommen. Mit unserem Kandidaten für den Landtag, Dr. Franz – Xafer Kirschner, haben wir jemanden in unseren Reihen, dessen Erfolg noch selbstgemacht ist. Sein atypischer Werdegang wird die Politik in Bayern bereichern und wählerorientierter sein.
Im Oktober beginnt das Wintersemester 08/09 an der Uni. In diesem Zeitraum nehmen viele junge Menschen ihr Studium auf. Was für eine Rolle spielt der Erstsemesterstudent in den Augen der FDP?
Wir empfangen jeden Studenten gerne mir offenen Armen hier in Passau. Wir wollen durch unsere Politik dazu beitragen, dass sich jeder schnell wohl fühlt, egal woher er kommt. Natürlich sollte sich jeder Student mit seiner Kommune identifizieren können. Wir freuen uns über jede Anmeldung des Erstwohnsitzes in Passau.
Was würden Sie am liebsten schnellstmöglich in Passau verändern?
Mein altes persönliches Steckenpferd sind Passaus Bäder. Das PEB wird von der Passauer Bevölkerung nur bedingt angenommen. Die Stadtteile haben keine eigenen Badestellen. Mein Wunsch ist ein Bad im Osten Passaus. Toll wäre es, wenn auf dem Gelände des Bschüttbades ein einfaches Naturbad mit biologischer Wasserselbstreinigung geschaffen werden könnte. Überschaubare Kosten würden zu einer einmaligen und zentralen Bade- und Naherholungsstätte für alle Bürger führen. Der Antrag hierzu wird gerade in der Verwaltung aufbereitet.
Außerdem ist es ein großer Wunsch von mir in Passau eine Kletterhalle zu bauen. Diese wäre ein Magnet für Besucher und einzigartig in unserer Region. Gerade in den kalten Wintermonaten könnten hier Jung und Alt ihre Freizeit verbringen.
Welchen Grund gibt es die FDP und damit Dr. Anton Jungwirth 2014 wiederzuwählen?
Mein Bestreben ist es Sachverhalte zu lösen. Ich verfüge über eine große Erfahrung hinsichtlich der Politik in Passau. Im Jahre 2014 werde ich dann 24 Jahre dabei sein. Die Frage ist nur, ob man vielleicht lieber Platz für den Nachwuchs machen sollte.
Vielen Dank für das Interview!
das Interview führte Christian Schneider
Das Interview ist erschienen in der 18. Printausgabe (Sept.-Nov. 2008) des UP-Campus Magazins, Seite 12-13
- „Wichtig ist, dass Freiheit und Verantwortung zusammengehören.“
- „Die Stadt Passau sollte erkennen, dass die Studenten ein großes Kapital sind"
- Einblicke in die Europapolitik
- „Beteiligen Sie sich an der Diskussion über Europa!"
- „Wir brauchen immer Modernisierung, weil die Gesellschaft sich verändert"
- 365 Tage im Bayerischen Landtag
- "Die Potentiale der Universität müssen zukünftig effektiv genutzt werden."
- "Wer bayerische und wirtschaftlich fundierte Politik betreiben will, kann nur die CSU/JU unterstützen"
- "Eine Universitätsstadt muss auch ein paar studentische Freiluftfeste akzeptieren."
- "In der Demokratie muss man kompromissbereit sein, gerade wenn man mit anderen Parteien zusammenarbeitet, aber man darf seine Grundprinzipien nicht verleugnen"







