“Eine Universitätsstadt muss auch ein paar studentische Freiluftfeste akzeptieren.”

von admin, 1. Juli 2008,
Christian Schneider, Barbara Klostermann

Interview mit dem 2. Bürgermeister der Stadt Passau Urban Mangold (ödp) zu seiner Wahl und seinen Zielen für die Stadt Passau

2. Bürgermeister Urban Mangold (ödp)

2. Bürgermeister Urban Mangold (ödp)

Herr Mangold, am 08.05.2008 konstituierte sich der Stadtrat. In diesem Rahmen wurden Sie zum 2. Bürgermeister mit 25:17 Stimmen gegenüber Dagmar Plenk gewählt. Haben Sie selbst mit einem solchen Ergebnis gerechnet?

Ich habe bis zur letzten ausgezählten Stimme gezittert. Es gab vor der konstituierenden Stadtratssitzung Gespräche mit den anderen Fraktionen, aber eine hundertprozentige Sicherheit hat man bei geheimen Wahlen nie. Ich hoffe nun, dass die CSU nicht alles kategorisch ablehnt, sondern so wie wir zuvor kollegial an der Stadtpolitik mitwirkt.

Was bedeutet eine starke ÖDP für die Entwicklung der Stadt Passau?

Eine starke ödp steht für eine familienfreundlichere Stadt, für eine Stadt-Umlandbahn und ein attraktives und preiswertes Busnetz und für eine transparentere Stadtpolitik. Außerdem setzen wir uns für eine klimafreundlichere Politik und für die Bewahrung des Stadt- und Landschaftsbildes ein.

Was meinen Sie mit klimafreundlicher Politik konkret?

Ich bin mir mit Jürgen Dupper einig, dass die kommunalen Liegenschaften energetisch saniert werden. Eine aktive kommunale Energieberatung soll die Bürger bei Energieeinsparung und Effizienzverbesserung unterstützen. Die Stadtwerke müssen den Grad der Eigenversorgung an Energie von heute rund 10 % enorm steigern, auf regenerative Energieträger umsteigen und sich von Atom- und Schmutzstromproduzenten wie E-on loslösen.

Müsste für eine solche Stelle nicht kompetentes Personal eingestellt werden?

Ich bin davon überzeugt, dass das durch verwaltungsinterne Umschichtungen machbar ist. Unser Ziel ist eine solide Haushaltspolitik.

Was wird sich durch diese Politik für den Bürger ändern?

Es gibt keine Alternative zur regenerativen umweltfreundlichen Energieversorgung. Wenn wir jetzt nicht konsequent umsteuern, wird es für den Ottonormalverbraucher in 20 Jahren schwierig, seine gute Stube zu heizen. Eine umweltfreundliche Energieversorgung bedeutet für den Bürger eine dauerhafte Unabhängigkeit von den sich erschöpfenden und immer teurer werdenden fossilen Ressourcen.

Ebenfalls am 08.05.2008 wurde vom Stadtrat einstimmig beschlossen, die Redoute und die X-Pointhalle für politischen Veranstaltungen zu sperren. Diese Sperrung ist ein „Verdienst“ der NPD. Schafft es die NPD, ohne vom Bürger legitimiert zu sein, die Politik durch ihre „Gefährlichkeit“ mitzulenken?

Es ist natürlich ärgerlich, wenn öffentliche Einrichtungen den demokratischen Parteien vorenthalten werden, um zu vermeiden, dass die NPD auch Ansprüche geltend machen kann. Aber wir sind bereit, dieses Opfer zu bringen, weil die NPD eine entsetzliche Partei ist. Sie soll bleiben, wo der Pfeffer wächst. Ich hoffe, der Stadt Passau bleiben die Tiraden der NPD erspart.

Wie stark wird die NPD politisch wahrgenommen? Wo sehen Sie die Gefahren dieser Partei?

Ich bin ganz klar für ein NPD-Verbot. Sie verfolgt nach meiner Ansicht verfassungswidrige Ziele. Nationalismus hat noch niemals ein Problem gelöst, sondern immer unendliches Leid und Katastrophen über die Menschen gebracht.

Zurzeit herrscht eine rege Debatte über die Installation einer Stadtbahn in Passau. Was halten Sie davon?

Ich finde, dass das eine sehr gute Idee ist. Zum einen hat eine Stadtbahn einen Attraktionswert für Touristen. Zum anderen könnte man mittelfristig eine Stadtumlandbahn etablieren. An jedem der Bahnhöfe könnte ein Park & Ride System entstehen, so dass die Bürger nicht mehr mit dem Auto in die Stadt müssen. Es ist doch sinnlos in Zeiten steigender Spritkosten und wachsenden Verkehrsaufkommens Gleise rauszureißen, um Radwege zu bauen. Ziel muss es sein, den ÖPNV auszubauen. Nach Aussagen verschiedener Experten reist der Bürger lieber mit einer Stadtbahn als mit dem Bus. Die Idee einer Stadtbahn muss folglich schnellstmöglich umgesetzt werden.

Gibt es schon mögliche Routen für eine Stadt- bzw. Stadtumlandbahn?

Zunächst muss man den Takt auf den betriebenen Trassen verdichten. Ich denke dabei vor allem an die Strecken, die Plattling, Pocking und Schärding mit Passau verbinden. Außerdem sollte die llztalbahn und die Lokalbahn Richtung Waldkirchen reaktiviert werden. Es gibt dort so viele landschaftliche Höhepunkte, die man mit der Bahn definitiv bewusster wahrnehmen kann.

Wie lässt sich diese finanzieren?

Das bedarf natürlich einer sorgfältigen Prüfung. Da der Freistaat Bayern die Kosten für den absurden Transrapid gespart hat, könnte er mit dem Geld etwas Sinnvolleres tun. Man könnte außerdem die Kosten auf die Gebietskörperschaften verteilen, die von der Stadtbahn profitieren.

Was kann die ÖDP für die Studenten der Stadt Passau tun?

Auf jeden Fall kämpfen wir für einen interessanteren ÖPNV mit stabilen Preisen. Die geplanten Buspreiserhöhungen für 2008 und 2010 müssen gerade hinsichtlich der zunehmenden Qualitätseinbußen unbedingt vom Tisch. Es bedarf außerdem einer besseren und lebendigeren Kommunikation zwischen den Studenten und der Stadt. Die Studenten sind immens wichtig für Passau und daher benötigen wir deren Kritik und Ideen. Die Idee einer studentischen Bürgerversammlung finde ich daher ausgezeichnet. Eine Universitätsstadt muss auch ein paar studentische Freiluftfeste akzeptieren.

Was ist Ihr schlagkräftigstes Argument, dass Sie zu Recht 2. Bürgermeister geworden sind und nicht etwa Dagmar Plenk?

Die Wahl ist so ausgegangen, weil die Bürger eine andere Politik wollen. Wir haben in der Opposition sechs Jahre lang offen debattiert. Wir waren nicht aus Prinzip gleich immer gegen alles. Viele wertkonservative Passauer haben Herrn Zankl und die CSU aus Sorge um das Stadtbild und wegen des ruppigen Umgangstons abgewählt. Persönlich habe ich nichts gegen Frau Plenk, aber sie stand eben für das System Zankl und ich stehe dafür, das Stadtbild zu bewahren und die politische Kultur in Passau zu erneuern.

Vielen Dank für das Interview!

das Interview führten Christian Schneider und Barbara Klostermann

Das Interview ist erschienen in der 17. Printausgabe (Juli 2008) des UP-Campus Magazins, Seite 8-9

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