Uni P., 28, sucht spendable Partner
Fundraising, Sponsoring und Public Private Partnership – ein Lagebericht aus der Chefetage

Universität Passau (Bild: Johannes Hoffmann)
Prof. Dr. Walter Schweitzer sehnt sich nach einer festen Bindung – weniger in emotionaler, als vielmehr in professioneller Hinsicht: Sponsoring, Fundraising, Public Private Partnership – dieser anglizistische Dreiklang charakterisiert ein einfaches Problem, nämlich die brennende Sorge um das liebe Geld. Die Universität Passau ist auf der Suche nach großzügigen finanziellen Unterstützern, die den Hochschulhaushalt speisen mit Drittmitteln – an konkrete Projekte gebundene oder zur freien Verfügung überlassene Geldbeträge von privater bzw. öffentlicher Hand.
Die notorisch leeren Staatshaushalte haben die Gezeiten zum Stillstand gebracht: Seit Jahren herrscht Ebbe in den Etats der Hochschulen. An dieser Stelle liegt der Grund allen Übels und die Ursache des jährlichen Wehklagens der Hochschulleiter. Und der Blick in die Zukunft offenbart keine blühenden Landschaften – im Gegenteil; bei einer realistischen Einschätzung der kommenden Jahre werden sich die Bauchschmerzen der Universitätsleitungen zunehmend verschlimmern. „Nach aktuellen Prognosen wird die Zahl der Studierenden an der Universität Passau bis etwa 2012 um etwa 25 Prozent zunehmen” gibt Schweitzer zu bedenken, an Studiengebühren führt also kein Weg vorbei. „Trotz dieses zusätzlichen Kapitals werden wir weiterhin und verstärkt größte Bemühungen zur Einwerbung von Drittmitteln anstellen”, entgegnet aber Ludwig Bloch, Kanzler der Universität Passau, Spekulationen, dass sich die Hochschule aus ihrer Verantwortung stehlen werde. In Anbetracht der aktuellen Lage besteht akuter Handlungsbedarf, den die Hochschulen in Eigeninitiative realisieren müssen. „Wir sind auf Drittmittel angewiesen, um die universitäre Ausbildung sicherzustellen und den Studierenden über das Pflichtprogramm hinaus etwas bieten zu können”, so Schweitzer.
Mit einer Intensivierung der Anstrengungen um Gelder aus dritter Hand ist die Universität Passau definitiv gut beraten, denn die in der Öffentlichkeit meist unterschätzte Bedeutung von Drittmitteln ist enorm. Eine zunehmend externe Finanzierung erhöht die Autonomie und Freiheit einer Hochschule und verbessert deren Position im Wettbewerb mit anderen Hochschulen, denn auf Dauer werden sich die Einrichtungen durchsetzen, die den Studierenden die besten Bedingungen bieten können. Ein bedeutender Aspekt liegt in dem Gedanken, dass vor allem durch private Unterstützung Bande geknüpft werden, die den Aufbau eines umfassendes Netzwerks zwischen Hochschule, Praxis, Alumni und Studierendenschaft ermöglicht, von dessen Gegenseitigkeitsverhältnis letztendlich alle Glieder profitieren können.
In den Vereinigten Staaten hingegen gehört diese Erkenntnis längst zum Hochschulalltag. Allein das jährliche Privatspendenvolumen lässt sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf 24 Milliarden Dollar beziffern. Der Grund ist ebenso einfach wie nachvollziehbar: Die US-Universitäten haben den Bereich des „Fundraising, Sponsoring, Public Private Partnership” stark professionalisiert. „In den USA herrscht einfach eine andere Mentalität”, versucht Prof. Schweitzer den Kopf der deutschen Universitäten aus der Schlinge zu ziehen. Es will ihm nicht so recht gelingen -zu einfach, zu stereotyp. Doch letztendlich bringt es die traurige Tatsache zum Ausdruck, dass es den deutschen Universitäten bislang (noch) nicht gelungen ist, im Zusammenspiel mit Politik und dem privaten Sektor, einen Wandel herbeizuführen. Von einem amerikanisch-astronomischen Budget aus öffentlichen und privaten Zuwendungen können Prof. Dr. Walter Schweitzer und Ludwig Bloch nur träumen. „Passau ist nicht Harvard oder Stanford”, entgegnet Prof. Schweitzer energisch, als würde irgendjemand an dieser Wahrheit zweifeln. Doch wer selbst den Anspruch formuliert, einer gewissen Elite anzugehören, muss die deutliche und aussagekräftige Sprache der Zahlen akzeptieren – zur Not auch gegen sich.
Die Entwicklung der Drittmitteleinnahmen an der Universität Passau scheint einer Erfolgsgeschichte zu gleichen: Während 1984 umgerechnet 404.000,- EUR eingenommen wurden, waren es 1994 2,3 Mio., um 2004 das Allzeithoch von 4,6 Mio. EUR zu markieren. Der Anteil der Drittmittel am Gesamthaushalt der Universität Passau unterstreicht dies. Diese Kennziffer kletterte fortlaufend von 1,7 % (1984) über 6,0% (1994) und 7,0 % (2000) bis zur vorläufigen Bestmarke von 9,47 % (2001), und erreichte nach einem Rückgang in den Jahren 2002 (8,8 %) und 2003 (7,9 %) mit 9,46 % im Jahr 2004 wieder annähernd den Höchstwert.
Unter Berücksichtigung des geringen Alters der Universität Passau und der für die Drittmitteleinwerbung relativ ungünstigen Fächerstruktur hat die bisherige Finanzierung von außen folglich den Stempel „Erfolgsgeschichte” gerade noch verdient – jedoch unter der Voraussetzung, dass die Bemühungen zur kontinuierlich positiven Entwicklung in diesem Bereich fortgesetzt und intensiviert werden. Die Bereitschaft dazu ist vorhanden. „Wir wollen unsere gezielten Anstrengungen um die Akquise von forschungsbezogenen öffentlichen Zuwendungen deutlich intensivieren”, weißt der Rektor auf ein „Programm zur Steigerung von Drittmitteleinwerbungen” hin, das vom Leitungsgremium der Universität im Jahr 2004 beschlossen wurde. Das Angebot ist zweifelsfrei vorhanden, denn die Behörden der unterschiedlichen Verwaltungsebenen, vom Freistaat Bayern über den Bund bis zur Europäischen Union, sowie insbesondere die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bieten hervorragende und attraktive Förderungstöpfe. Doch sei der Wettbewerb, so Schweitzer, wegen des großen Renommees für eine Universität, die sich mit dem Zuschlag für ein beworbenes Projekt schmücken könne, enorm hart. Für Passau anscheinend zu hart, denn die geringe Ausbeute spricht Bände. „Passau steht bei der DFG ganz schlecht da”, zeigt sich Prof. Dr. Schweitzer sichtlich ernüchtert. Sein kritischer Blick richtet sich auf die einzelnen Fachbereiche: „Ich mache keinen Hehl daraus, dass die angebotenen öffentlichen Forschungstöpfe viel zu wenig in Anspruch genommen werden”.
Not macht bekanntlich erfinderisch und so bemüht sich die Universitätsleitung bei der Einwerbung von Drittmitteln zukünftig neue Wege zu gehen. „Wir müssen uns nun verstärkt auf das private Kapital konzentrieren und in diesem Bereich deutliche Akzente setzen”, zeigt sich Ludwig Bloch überzeugt. Um dieses ehrgeizige Vorhaben endlich anzugehen, führte eine Beratungsagentur im vergangenen Jahr eine umfassende Image- und Wettbewerbsanalyse der Universität Passau durch, auf deren Basis eine Fundraising-, Sponsoring- und Private Public Partnership-Kampagne ausgearbeitet wurde. In den kommenden Monaten soll das theoretische Konstrukt seine praktische Effizienz unter Beweis stellen. „Wir sind eine international kooperierende, interkulturell ausgerichtete, leistungs- und praxisorientierte, gut ausgestattete, innovative, moderne Campusuniversität”, formuliert der Rektor selbstbewusst die Faktoren, die das attraktive Bild der Universität Passau prägen. Daher will man sich – gestärkt durch das Urteil von Führungskräften, Hochschulrankings und das Ergebnis der Analyse – mit breiter Brust auf den Weg zu potentiellen Spendern, Stiftern und Sponsoren machen.
„Unsere Hauptzielgruppe ist die Wirtschaft”, gibt der Rektor den Kurs vor. Damit ist klar: Nun hat auch eine staatliche Institution das schier endlose Potential des Feldes erkannt, das Fußballvereine bereits vor Jahren erfolgreich erschlossen haben. Die Anschläge an den schwarzen Brettern belegen, dass die Universität ein lukratives Pflaster ist. Zahlreiche Firmen strömen auf den Campus, um sich zu präsentieren und professionellen Nachwuchs für die eigenen Reihen zu rekrutieren – sei es durch Eigeninitiative, sei es auf Einladung von Lehrstühlen, Fachschaften oder Hochschulgruppen, sei es durch die Praxiskontaktstelle im Rahmen der Veranstaltung „Campus meets Company” oder dem regelmäßig stattfindenden „Career Talk”. Die Universität – eine vielversprechende Plattform für die Wirtschaft, doch Gegenleistung? Meist Fehlanzeige! „Wir verkaufen uns hier klar unter Wert”, sagt Schweitzer, „doch wenn wir die Hände aufhalten, kommt niemand mehr”. In Anbetracht dieser Tatsache können sich Kanzler und Rektor glücklich schätzen, dass die Universität Passau durch den Neuburger Gesprächskreis mit mittlerweile über 120 regional verankerten wie auch national und international renommierten Unternehmen eng kooperiert. Sichtbarstes Zeichen der Vergangenheit für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist die Einrichtung eines Stiftungslehrstuhls an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät – finanziert durch eine auch aus der Fernsehwerbung bekannte Bank. Wie viel sollen die Namensrechte am Audimax kosten? „Schon einige Hunderttausend Euro”, antwortet Schweitzer direkt mit einem souveränen Lächeln – er meint es ernst, die Universität scheint gewappnet.
Eine weitere externe Finanzquelle sehen – nach dem Vorbild der USA – nun viele Universitäten in den Alumni. „Auf diesem Feld fand bis vor wenigen Jahren fast gar keine Bewegung statt”, weiß Prof. Schweitzer. Durch die Gründung des Ehemaligenvereins der Universität Passau e.V. im Jahr 1990 fand auch der in der Satzung zugrunde gelegte Förderungsgedanke Einzug in die Köpfe der Absolventen. „Die Ehemaligen müssen langfristig an ihre Alma Mater gebunden werden”, sagt Bloch mit Nachdruck, „- nicht nur, aber auch unter einem finanziellen Blickwinkel”. Bei Bewerbungen tragen Ehemalige ihre Abschlusszeugnisse wie Heiligtümer auf die Schreibtische der Personalchefs und mit dem Blatt Papier häufig auch den Stolz auf ihre akademischen Wur-zeln. Doch wie viel ist den Alumni ihre wissenschaftlicher Reifeprozess wert, wenn sie noch Diplom oder Staatsexamen den Schoß ihrer Alma Mater verlassen? Die Antwort scheint in einer neudeutschen Weisheit verborgen: „Geiz ist geil”. „Ich nehme diese moderne Floskel gar nicht erst in den Mund”, weigert sich Ludwig Bloch entschieden. Des Kanzlers Widerspruch erblasst im Angesicht der eindeutigen Sprache der Zahlen. „Die Förderung durch Alumni steigt stetig, seitdem sie ihre Interessen in einem Verein bündeln”, beschreibt der Rektor die Entwicklung, die auch in Zukunft anhalten soll, und der Kanzler fügt beinahe bedrohlich dazu: „Wir werden die Absolventen im Auge behalten”.
Das Thema „Drittmittel” ist in Zeiten klammer Kassen allgegenwärtig in der deutschen Hochschullandschaft. Das Wochenmagazin „Die Zeit” widmete dieser Angelegenheit und erstellte in Zusammenarbeit mit dem Centrum für Hoch-schulentwicklung und dem Deutschen Fundraisingverband eine repräsentative Studie. Das ernüchternde Ergebnis: „„Ein professionelles Fundraising braucht Fachwissen, Geld und Leidenschaft. An deutschen Universitäten fehlt -bis auf wenige Ausnahmen -alles”. Das will die Passauer Universitätsleitung nicht auf sich sitzen lassen. „Das Fachwissen haben wir uns von außen geholt und die Leidenschaft ist auch vorhanden”, entgegnet Prof. Dr. Schweitzer, dem lediglich die Anschubfinanzierung Sorgen bereitet. Rektor und Kanzler sind vom Erfolg der noch jungen Kampagne überzeugt. „Dauerhaftigkeit, inhaltliche Stärke, Kompetenz und das nötige Personal sind die Schlüssel zum Erfolg”, zeigt sich Ludwig Bloch siegessicher.
„In der Vergangenheit war die Erlangung von Drittmitteln allzu oft von Zufällen abhängig”, räumt Schweitzer (selbst-)kritisch ein und mahnt, dass in diesem für eine Hochschule derart essentiellen Bereich ein hohes Maß an Systematik erforderlich sei. In Anbetracht der Positionierung und der getroffenen Maßnahmen zeigt sich der Rektor zuversichtlich: „Wir dürfen nicht mutlos werden, wenn der Erfolg einmal ausbleibt. Selbst wenn uns nur fünf Prozent eine Zusage erteilen, hat sich der Aufwand gelohnt”.
von Johannes Pinkl
Der Artikel ist erschienen in Ausgabe 2/2006 des UP-Campus Magazins, Seite 4-6
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